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Beruf & Familie

Matthias Siemer, Inhaber der Artland-Apotheke in Bersenbrück (Landkreis Osnabrück)

„Familienfreundlichkeit muss man einfach leben“

„Mein Team ist wie eine zweite Familie für mich“: Für Apotheker Matthias Siemer ist diese Aussage alles andere als eine Floskel. Nicht verwunderlich, dass seine Apotheke die erste im Landkreis Osnabrück ist, die vom Arbeitskreis „Unternehmen im Familienbündnis“ als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet wurde. In der Artland-Apotheke beginnt Familienfreundlichkeit schon am frühen Morgen. Beim täglichen Frühstück, das übrigens zur bezahlten Arbeitszeit gehört, tauscht sich das Team aus. Nicht selten ist der Familienalltag Thema. 80 Prozent des Apothekenteams sind Mütter, die alle in Teilzeit arbeiten. Familienbewusste Personalpolitik ist praktizierter Alltag: „Das muss man einfach leben“, betont Siemer mit Nachdruck.

Raum für Familien

Der begeisterte Apotheker ist selbst Vater eines kleinen Mädchens und freut sich aktuell auf das zweite Kind. „Meine Familie ist Teil der Apotheke und meine Tochter war praktisch vom ersten Tag an dabei und kommt fast täglich für ein kurzes Hallo vorbei.“ Der Inhaber misst Familie einen hohen Stellenwert bei. Das wirkt sich auf die Angestellten aus: „Wir kennen hier die Kinder von allen. Es vergeht keine Woche, in der nicht eines von ihnen vorbeischaut. Fällt die Schule unerwartet aus, dürfen die Kids auch mal im Aufenthaltsraum warten. Übrigens eine tolle Gelegenheit, den Arbeitsplatz der Eltern hautnah zu erleben.“ Das, fügt der überzeugte Pharmazeut hinzu, könne sich positiv auf den Familienalltag auswirken.

Geben und Nehmen

Einen flexiblen Kurs fährt die fortschrittliche Apotheke auch bei Arbeitszeiten und Einsatzplanung. „Auf meine Angestellten einzugehen bedeutet mir viel. Nach der Elternzeit möchte ich einen Wiedereinstieg ermöglichen, der zur Lebenssituation passt. Bei uns gibt es unterschiedlichste Wochenarbeitszeiten – von sechs über zehn bis 40 Stunden.“ Durch die familienfreundliche Arbeitskultur musste sich Siemer bisher noch nie um Personal sorgen. Die Bersenbrücker Apotheke ist mit elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut aufgestellt. „Alles ist ein Geben und Nehmen. Wenn ich als Chef den Angestellten Freiheiten lasse, sind sie eher bereit, unbeliebte Arbeitszeiten zu besetzen oder spontan jemanden zu vertreten. Alle arbeiten gerne hier.“ Bei der Urlaubsplanung nimmt Matthias Siemer ebenfalls Rücksicht: „In den Ferien haben Familien selbstverständlich Vorrang. Und ich kann auch immer auf meinen Vater zählen.“ Hubert Siemer führte die Artland-Apotheke über 35 Jahre, bevor er die Leitung 2016 an seinen Sohn übergab. Die Apotheke ist aus vielen Blickwinkeln ein gelebter, generationsübergreifender Familienbetrieb.

Nachwuchsförderung

Matthias Siemer und sein Team sind eng mit Bersenbrück und dem Landkreis Osnabrück verbunden. Sie sind beispielsweise in ortsansässigen Vereinen aktiv und unterstützen diese auch regelmäßig. Wie gut Siemer im Ort vernetzt und anerkannt ist, zeigen auch die vielen Bewerbungen, die er regelmäßig erhält. Für ihn ist es selbstverständlich, zum Beispiel Praktikumsplätze für Schüler anzubieten. „Mir liegt die Nachwuchsförderung sehr am Herzen. Damit kann man junge Menschen schon frühzeitig für den Arbeitsplatz Apotheke begeistern“. Auch wenn er selbst keine Nachwuchssorgen hat, kennt er die angespannte Situation im Gesundheitswesen.

Zertifikat als „sichtbares Zeichen“

Durch das Zertifikat „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ verspricht sich Siemer mehr Anerkennung für Apotheken und kleine Betriebe generell. „Leider fehlt es oft an Wertschätzung, selbst wenn in der Politik stets betont wird, dass die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist. Das Qualitätssiegel ist ein sichtbares Zeichen. Es macht Politiker aufmerksam, aber auch den Nachbarn von nebenan: Die Apotheke vor Ort ist unverzichtbar für die Gemeinschaft. Große Versandunternehmen können sich nicht auf so etwas berufen.“ Apotheken, das betont Siemer lebhaft, sind wie die meisten Kleinunternehmen wichtige lokale, familienfreundliche Arbeitgeber und damit äußerst wertvoll für die Region. Seine Initiative, sich für ein Qualitätssiegel zu bewerben, ist ein nachahmenswertes Beispiel, den Wert der inhabergeführten Apotheke vor Ort buchstäblich sichtbar zu machen.

„Lebensentwurf passt“

Auch die Nähe und das Vertrauensverhältnis zum Patienten sprechen laut Siemer für seine Entscheidung, nach dem Studium in der öffentlichen Apotheke zu arbeiten. „Hier habe ich als Pharmazeut zudem mehr individuellen Spielraum “, erklärt er seine Begeisterung für seinen abwechslungsreichen Beruf. Salben und Kapseln selbst herstellen, individuelle Einnahmelösungen für Patienten finden, sie beraten und in der Therapie begleiten, einen Betrieb führen und unternehmerische Entscheidungen treffen – als Apotheker gleicht kein Tag dem anderen. „Für mich ist es so: Ich liebe diesen Job wirklich. Auch wenn mein Team wie eine Familie für mich ist: Meine eigene Familie kann glücklicherweise immer an erster Stelle stehen.“ Ein interessanter Beruf und ein intensives Familienleben: Siemer kann beide Lebenswünsche gut unter einen Hut bringen.

„Jeder kann Ideen einbringen“

Damit in seiner „zweiten Familie“ alles stimmt, geht Siemer so gut wie möglich auf die Angestellten ein: „Hat jemand einen Verbesserungsvorschlag, zum Beispiel zur Ausstattung der Apotheke, dann ist das für mich als Chef ein wichtiges Feedback. Jeder kann und soll hier eigene Ideen einbringen.“ Gelegenheit bekommt das Apothekenteam reichlich – ob morgens beim Frühstück oder einfach zwischendurch.